Neurowissenschaftlicher Hintergrund
Abnorme Körperwahrnehmung: Autoskopie und OBE
Autoskopische Erfahrungen (AE) und Außerkörpererfahrungen (OBE) werden in der neurowissenschaftlichen Literatur unter dem Begriff der abnormen Körperwahrnehmung (ABP) zusammengefasst — Enkörperungsstörungen, die aus einer veränderten körperlichen Selbstrepräsentation entstehen. Die gängige Auffassung besagt, dass die temporo-parietale Übergangszone (TPJ), insbesondere in der rechten Hemisphäre, als neuronaler Knotenpunkt fungiert, der multisensorische körperbezogene Informationen zu einem kohärenten Gefühl der Körperzugehörigkeit integriert (Blanke et al., 2002). Multisensorische Konflikte scheinen zentral für die abnorme Körperwahrnehmung zu sein (Ionta et al., 2011), und phänomenologische Veränderungen der Körperzugehörigkeit wurden im Anschluss an eine fortschreitende Stimulation der rechten TPJ berichtet (Blanke, 2000).
Nachfolgende Forschung hat kontroversere Befunde hervorgebracht. Auch die linke TPJ scheint an der Enkörperungsstörung beteiligt zu sein (Bos et al., 2016), und die TPJ ist nicht die einzige mit abnormer Körperwahrnehmung assoziierte Region: die mediale okzipitoparietale Übergangszone (Jonas et al., 2014), der okzipitale Kortex (Daltrozzo et al., 2016), Precuneus/Thalamus (Dirk et al., 2007) sowie thalamo-okzipitale Bahnen (Smith & Messier, 2014) wurden jeweils damit in Verbindung gebracht. Dieses breitere, synchrone funktionelle Netzwerk gilt als Grundlage der reflexiven Selbstwahrnehmung (Kjaer et al., 2002); bemerkenswerterweise scheint seine Aktivierung allein keine vollständige Enkörperungsstörung hervorzurufen, sondern lediglich eine Autoskopie, ohne wesentliche Veränderung der visuellen Perspektive oder der wahrgenommenen Position.
Insgesamt legt diese Literatur nahe, dass ein Deaktivierungs-/Desynchronisationsprozess innerhalb dieses funktionellen Netzwerks — und nicht spezifisch die Aktivität der rechten TPJ — mit der Außerkörpererfahrung verbunden sein könnte (Daltrozzo et al., 2016). Eine systematische Abnahme der EEG-Leistung über alle Frequenzbänder wurde im Zusammenhang mit abnormer Körperwahrnehmung beobachtet, was mit kortikaler Deaktivierung oder verringerter Konnektivität übereinstimmt, wobei die Spezifität der rechten TPJ für diesen Effekt umstritten bleibt. Ein Großteil der früheren Literatur untersuchte nur eine TPJ (links oder rechts) isoliert, ohne die globale Hirndynamik nach Manipulation der TPJ-Aktivität zu analysieren — eine methodische Lücke, die das Protokoll des PSI Research Center schließen soll.
Methodik
AE und OBE mit wissenschaftlichen Werkzeugen untersuchen
Um die kausale Rolle der TPJ bei der körperlichen Selbstwahrnehmung sowie die vermutete zugrunde liegende neuronale Dynamik (die Desynchronisationshypothese) zu untersuchen, kombiniert das Versuchsprotokoll eine phänomenologische Befragung — mittels vor und nach der Stimulation angewendeter Embodiment-Skalen — mit repetitiver transkranieller Magnetstimulation (rTMS), die zur Hemmung der bilateralen TPJ-Aktivität appliziert wird. Innerhalb- und zwischen-Subjekt-Effekte werden über die Versuchsbedingungen hinweg verglichen, wobei aktive Hemmung einer Scheinbedingung (Sham) gegenübergestellt wird.
Eine kombinierte EEG-Analyse wird verwendet, um Veränderungen der EEG-Leistung zu identifizieren und mögliche Zusammenhänge zwischen TMS-induzierter abnormer Körperwahrnehmung und kortikaler Deaktivierung (Desynchronisation) über die Kopfhaut hinweg zu charakterisieren.